Marketing ist Mathematik: Warum dein Funnel dich (fast) immer belügt – und wie du ihn sauber steuerst

Du kennst das vielleicht: Du investierst in Marketing. Ein bisschen Google, ein bisschen Social, vielleicht ein Flyer, vielleicht ein Sponsoring, vielleicht die Autobeschriftung. Und dann schaust du nach ein paar Wochen auf dein Konto – und fragst dich, warum da nicht deutlich mehr zurückkommt.

Das Problem ist selten „zu wenig Budget“. Und fast nie ist es „die Leute da draußen wollen nicht“. Das Problem ist viel häufiger: Du hast keinen steuerbaren Prozess – du hast Hoffnung. Und Hoffnung ist keine Marketingstrategie.

In der Podcastfolge wird dafür ein Bild genutzt, das handwerklich perfekt passt: Mehrere Siebe übereinander. Oben schüttest du Aufmerksamkeit rein. Unten willst du Aufträge oder Bewerbungen rausbekommen. Und wenn unten nichts durchkommt, dann liegt’s nicht daran, dass du „noch mehr oben reinschütten“ musst – sondern daran, dass ein Sieb zu ist.

Marketing ist kein Bauchgefühl. Marketing ist Mathematik.

1) Erst das Ziel. Dann alles andere.


Der häufigste Fehler passiert ganz am Anfang: Es wird „irgendwas“ gemacht.

Der häufigste Fehler passiert ganz am Anfang: Es wird „irgendwas“ gemacht.

Du brauchst aber nicht „Marketing“. Du brauchst ein Ziel – und zwar ein Ziel, das du messen kannst.

Und hier kommt die Klarheit, die viele befreit (weil sie endlich Ordnung reinbringt):

Es gibt genau zwei Ziele:

  • Neue Kunden gewinnen
  • Neue Mitarbeiter gewinnen

Alles, was du tust – Website, Google, Social, Print, Außenwerbung – muss sich einem dieser beiden Ziele unterordnen. Nicht beidem gleichzeitig. Nicht „auch ein bisschen Image“. Sondern einem klaren Ergebnis.

Warum so hart? Weil du sonst nicht entscheiden kannst, was „gut“ war und was „schlecht“ war. Wenn du „Sichtbarkeit“ als Ziel definierst, hast du am Ende Sichtbarkeit. Glückwunsch. Nur: Sichtbarkeit zahlt keine Rechnungen.

2) Der Funnel: Dein Marketing besteht aus Schritten – nicht aus Magie


Wenn du Marketing richtig betrachtest, ist es nichts anderes als ein Prozess. Und jeder Prozess besteht aus Schritten.

Du hast nicht eine Kennzahl, sondern mehrere Stationen, die nacheinander passieren müssen. Und an jeder Station verlierst du Leute. Immer.

Ein klassischer Ablauf (z. B. für Kundenanfragen) sieht so aus:

  1. Impressionen: Du wirst gesehen – z. B. in Google oder in einer Anzeige.
  2. Klicks / Reaktion: Jemand klickt, ruft an oder schaut genauer hin.
  3. Conversion: Aus Interesse wird Kontakt – Formular, Anruf, WhatsApp, Mail.
  4. Abschluss: Aus Kontakt wird Auftrag – erst jetzt kommt Umsatz.

Und jetzt kommt die entscheidende Einsicht:
Du kannst nicht über „Marketing“ reden, ohne zu wissen, an welcher Stelle der Prozess hängt.

Denn wenn du oben viel reinschüttest, aber unten nichts rauskommt, ist die Frage nicht: „Brauche ich mehr Reichweite?“
Die Frage ist: „Welches Sieb ist zu?“

3) Der Nullprodukt-Moment: Ein einziger 0%-Schritt killt alles


Hier wird’s richtig unangenehm – aber auch richtig hilfreich.

Denn die einzelnen Quoten in deinem Funnel wirken nicht additiv, sondern multiplikativ. Bedeutet: Du multiplizierst sie miteinander.

Und das führt zu einer brutalen Wahrheit:

Wenn ein Faktor 0 ist, ist das Ergebnis 0.
Das ist der „Satz vom Nullprodukt“. Und der ist in deinem Marketing gnadenlos.

Praktische Beispiele:

  • Du wirst 10.000-mal gesehen, aber niemand klickt → 0 Anfragen
  • Du hast Klicks, aber deine Website erzeugt keine Kontakte → 0 Anfragen
  • Du hast Anfragen, aber du schließt nicht ab → 0 Umsatz

Und genau deswegen bringt es dir nichts, an der falschen Stelle „mehr Gas zu geben“. Wenn das Sieb in der Mitte dicht ist, kannst du oben kippen, bis du blau wirst.

4) Ein Rechenbild, das du sofort verstehst


Stell dir vor, du bist in jedem Schritt ziemlich okay – sagen wir 50% Erfolgsquote:

  • Klickrate: 0,5
  • Conversionrate: 0,5
  • Abschlussrate: 0,5

0,5 × 0,5 × 0,5 = 0,125 → 12,5 % kommen am Ende durch.

Und das sind schon freundlich gerechnete Werte.

Was heißt das für dich?

Du brauchst nicht überall „ein bisschen besser“ werden. Du brauchst vor allem den Engpass, der dich gerade wirklich begrenzt.

Denn wenn du eine Stelle von 0 auf 20% bekommst, verändert das alles. Wenn du irgendwo von 20% auf 25% gehst, kann das nett sein – aber es ist selten der große Durchbruch.

5) Branding: Wichtig – aber nicht dein Rettungsanker


Ein typischer Reflex ist: „Wir brauchen mehr Branding.“

Ja: Marke ist wichtig. Vertrauen ist wichtig. Wiedererkennung ist wichtig.

Aber Branding ist nicht die erste Baustelle, wenn die Basics nicht funktionieren.

Wenn dich niemand findet, kann auch niemand deine Marke wahrnehmen. Und wenn die Leute dich finden, aber nicht klicken, dann liegt das Problem nicht daran, dass dein Logo zu klein ist – sondern daran, dass dein Angebot nicht klar, nicht passend oder nicht sichtbar ist.

Branding ist der Verstärker. Nicht der Motor.

6) Push vs. Pull: Zwei Wege in den Trichter – ein Ziel: messbare Wirkung


Um oben in deinen Funnel etwas reinzubekommen, hast du zwei grundsätzliche Mechaniken: Push und Pull.

Push-Marketing: Du gehst aktiv raus

Das ist alles, was Menschen anspricht, bevor sie aktiv suchen:

  • Social Ads
  • Print / Flyer
  • Außenwerbung (z. B. Autobeschriftung)
  • Aktionen, Platzierungen, Sponsorings

Push ist besonders stark, wenn du Themen „aufwecken“ willst: Dinge, die der Kunde nicht zwingend sucht, die aber sinnvoll wären (Zusatzleistungen, Optimierungen, modernere Lösungen).

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Pull-Marketing: Du wirst gefunden, wenn ein Problem da ist

Das ist das klassische Suchverhalten:

  • Google-Suche nach einem konkreten Problem
  • lokale Suche („in der Nähe“, „Notdienst“, „Kosten“, „Erfahrung“)
  • zunehmend auch KI-basierte Suche

Pull funktioniert dann gut, wenn du sichtbar bist, wenn die Nachfrage da ist – und wenn dein Auftritt den Suchenden sofort überzeugt.

Und jetzt das Entscheidende:
Egal ob Push oder Pull – ohne Messung ist es Zufall.

7) Das stärkste Gratis-Werkzeug: Google Search Console


Du musst für den ersten großen Durchblick nicht sofort teure Tools kaufen.

Ein kostenloses Werkzeug liefert dir sehr schnell Klarheit: Google Search Console.

Was du damit bekommst, ist Fundament:

  • Bei welchen Suchbegriffen wirst du überhaupt angezeigt?
  • Wie viele Impressionen entstehen?
  • Wie viele Klicks resultieren daraus?
  • Wie verändert sich das über Wochen, Monate, Saison?

Das ist die Stelle, an der Hoffnung stirbt – und Steuerung beginnt.

Denn plötzlich kannst du Fragen beantworten wie:

  • „Werden wir überhaupt zu ‘Badsanierung + Stadt’ angezeigt?“
  • „Wie oft sehen Leute uns – und klicken dann trotzdem nicht?“
  • „Ist unsere Sichtbarkeit diesen Monat gefallen – oder ist das nur saisonal?“

Und damit kannst du sogar klassische Werbung indirekt bewerten: Wenn du sichtbar draußen wirbst, sollte sich häufig (zeitversetzt) auch das Suchverhalten verändern – zum Beispiel mehr Marken-Suchen oder mehr relevante Begriffe.

8) Der wichtigste Perspektivwechsel: Nicht „mehr“, sondern „richtig“


Wenn du bis hierhin nur einen Satz behältst, dann diesen:

Dein Ergebnis ist die Multiplikation deiner Quoten.

Und damit ist die nächste Frage immer:

Welche Quote ist gerade dein Engpass?

Du hörst auf, über Marketing wie über Wetter zu reden („kann man nichts machen“) – und fängst an, es wie einen Prozess zu führen („da ist der Fehler, da drehen wir“).

9) Dein Check: In 30 Minuten herausfinden, wo dein Sieb dicht ist


Mach es dir nicht kompliziert. Geh deinen Funnel Schritt für Schritt durch und notiere dir eine Zahl pro Station.

Schritt 1: Wirst du gesehen?

  • Impressionen: Steigen sie? Fallen sie? Wo kommst du vor?

Schritt 2: Wirst du gewählt?

  • Klickrate: Wenn du viele Impressionen hast, aber wenig Klicks, stimmt etwas mit Angebot, Relevanz oder Darstellung nicht.

Schritt 3: Kommt Kontakt zustande?

  • Website/Telefon/WhatsApp: Finden Menschen in 5 Sekunden den Weg zur Anfrage? Oder müssen sie suchen?

Schritt 4: Wird verkauft?

  • Abschlussquote: Wie viele Anfragen werden wirklich zu Aufträgen? Wie schnell meldest du dich? Wie klar ist dein Prozess?

Und dann gilt:
Nicht überall gleichzeitig optimieren.
Du packst dir das Sieb, das am meisten verstopft ist – und machst es auf.

10) Fazit: Wenn du messen kannst, kannst du führen


Die stärkste Botschaft ist nicht „mach Google“ oder „mach Ads“. Die Botschaft ist:

Hör auf zu hoffen. Fang an zu führen.

Wenn du dein Marketing als Prozess verstehst, brauchst du keine Diskussionen mehr über „ob Marketing klappt“. Du siehst es. Du erkennst die Engpässe. Du kannst entscheiden.

Und plötzlich fühlt sich Marketing nicht mehr wie Glücksspiel an, sondern wie Handwerk:
klare Schritte, klare Messpunkte, saubere Optimierung.

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Autor Manuel Epli

Über den Autor Manuel Epli


Manuel Epli studierte an der Universität Ulm die Fächer Mathematik, Informatik, Pädagogik und Psychologie. Er ist Gründer von eLearningPlus, einer Marke der digi professionals GmbH aus Ulm.


Die digi professionals GmbH ist ein TÜV- und AZAV-zertifiziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von zielführenden und hochwertigen E-Learning-Maßnahmen und digitalen Schulungsplattformen spezialisiert hat.


Mit einer 3-stelligen Wachstumsrate pro Jahr, über 25 Mitarbeitern, sowie mehr als 500 betreuten Kunden gehört die digi professionals GmbH zu den führenden E-Learning-Anbietern im gesamten DACH-Raum.

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