Prozesse: Was ist dein Unternehmen wert?

Stell dir einen unangenehmen Moment vor: Du fällst von heute auf morgen aus – Unfall, Krankheit, irgendetwas, womit niemand rechnet. Wie lange würde dein Betrieb dann stabil weiterlaufen? Ein paar Wochen? Ein paar Tage? Oder wäre im Grunde sofort Schluss?

Genau diese Frage entscheidet am Ende darüber, was dein Unternehmen wirklich wert ist: für eine mögliche Nachfolge, einen Verkauf oder einfach für deine eigene Sicherheit als Unternehmer. In einem Gespräch im Podcast „Das Handwerk macht kurze Prozesse“ machen Dennis Jäger und Martin Sommer deutlich, warum viele Handwerksbetriebe auf den ersten Blick gesund wirken, beim genaueren Hinsehen aber kaum Wert haben – und was du konkret ändern kannst.

Der Schockmoment: Wenn der Betrieb auf dem Papier stark ist – und trotzdem nichts wert


In vielen Bilanzen sieht es zunächst ordentlich aus: Umsatz stimmt, Projekte laufen, der Kalender ist voll. Und trotzdem lautet die ehrliche Antwort auf die Frage „Was ist dieser Betrieb wert?“ oft: so gut wie nichts. Das hat nichts mit bösem Willen zu tun, sondern mit der Art, wie Betriebe bewertet werden.

Entscheidend sind zwei Dinge: Zum einen die Gewinne aus wiederkehrenden Umsätzen – also Wartungsverträge, Kundendienst, Serviceleistungen, die regelmäßig Geld bringen und planbar sind. Zum anderen die Gewinne aus Projekten, die nicht von einer einzigen Person abhängen. Sobald fast alles über den Schreibtisch des Chefs läuft, wird das Unternehmen für Außenstehende zum Risiko. Denn fällt dieser eine Mensch weg, bricht ein großer Teil der Wertschöpfung weg.

„Kundenhoffnungsdienst“ statt Kundendienst


Ein Beispiel aus der Praxis zeigt das sehr deutlich: Ein Unternehmer hat viele Wartungsverträge und ist im Kundendienst stark vertreten. Auf den ersten Blick klingt das vorbildlich. Doch bei genauerem Hinsehen arbeitet er im Servicebereich teilweise mit Verlust, weil er sich nicht traut, kostendeckende Preise zu verlangen. Er hofft darauf, dass aus den kleinen Einsätzen irgendwann die große Badsanierung oder der Heizungswechsel entsteht.

Im Podcast fällt dafür ein treffender Begriff: aus Kundendienst wird „Kundenhoffnungsdienst“. Man fährt raus, man arbeitet, man stellt Rechnungen – aber wirklich verdienen tut man dabei wenig oder gar nichts. Aus Marketingperspektive könnte man dazu „Hoffnungsmarketing“ sagen: Man macht irgendetwas und hofft, dass schon etwas Gutes bei herauskommt.

Für die Unternehmensbewertung ist das fatal. Solche Wartungsverträge werden dann nicht als stabiler Wert betrachtet, sondern eher als Belastung. Die Verluste, die dort entstehen, gehen in die Rechnung ein – allerdings mit einem Minuszeichen. 

Was auf dem Papier wie ein solides Servicegeschäft wirkt, entpuppt sich als Wertvernichter.

Wenn 90 Prozent des Umsatzes am Geschäftsführer hängen


Ein anderes Beispiel: Ein gewachsener Familienbetrieb mit rund 25 Mitarbeitern, guter Auslastung und soliden Projekten. Tradition, dritter Generation, gutes Image im Markt – eigentlich eine starke Ausgangsposition.

Das Problem: Der Geschäftsführer selbst schließt rund 90 Prozent des Projektumsatzes ab. Er verkauft Bäder, Heizungen, Klimaanlagen, ist bei fast jedem größeren Auftrag persönlich involviert, kennt alle wichtigen Kunden und entscheidet vieles allein. Für den Alltag mag das funktionieren, für den Wert des Unternehmens ist es ein Problem.

Denn was passiert, wenn dieser Geschäftsführer plötzlich ausfällt oder den Betrieb übergeben will? Von einem Tag auf den anderen brechen große Teile des Neuumsatzes weg, weil niemand sonst seine Rolle einnehmen kann. Die laufenden Kosten bleiben aber: Löhne, Mieten, Fahrzeuge, Verpflichtungen. Aus einem scheinbar starken Betrieb wird aus Sicht eines Käufers ein Hochrisiko-Unternehmen.

Ein Betrieb, der stark von einer Person abhängig ist, wirkt nach außen nicht stabil, sondern fragil. Und was fragil ist, wird am Markt mit einem Abschlag bewertet.

Der wahre Wert: Läuft dein Betrieb auch ohne dich?


Auf den Punkt gebracht: Der wahre Wert deines Handwerksbetriebs zeigt sich in dem Moment, in dem du nicht mehr da bist. Dann zeigt sich, ob du ein System aufgebaut hast – oder ob du selbst das System bist.

Ein wertvoller Betrieb ist so organisiert, dass andere Menschen sich einarbeiten können, klare Abläufe vorfinden und wissen, wer was wann wie zu tun hat. Kundenkontakte, Verkauf und Abwicklung hängen nicht mehr an einer einzigen Person, sondern sind auf mehreren Schultern verteilt. Die notwendige Grundlage dafür sind strukturierte Prozesse und eine saubere Dokumentation.

Solange alles nur in deinem Kopf ist, existiert es für einen Käufer, Nachfolger oder auch für deine Mitarbeiter im Grunde nicht. Erst wenn Abläufe sichtbar und nachvollziehbar werden, entsteht etwas, das unabhängig von Personen funktioniert – und genau das schafft Wert.

Vom Kopf aufs Papier: Prozesse einfach und pragmatisch festhalten


Viele Handwerksunternehmer bekommen beim Wort „Prozesse“ sofort schlechte Laune. Sie denken an teure Berater, komplizierte Software und endlose Workshops. Dabei muss der Einstieg gar nicht kompliziert sein.

Ein einfaches DIN-A3-Blatt reicht aus. Oben markierst du den Startpunkt des Prozesses. Dann notierst du, was als Erstes passiert, was danach folgt, wer beteiligt ist, welche Entscheidung an welcher Stelle getroffen wird. Schritt für Schritt entsteht eine Art Landkarte deines Betriebsalltags. Es geht nicht darum, perfekte Diagramme zu entwerfen, sondern darum, dein Wissen aus dem Kopf zu holen und sichtbar zu machen.

Eine praktische Faustregel: Wenn ein Prozess nicht mehr auf ein DIN-A3-Blatt passt, ist er vermutlich zu komplex. Dann liegt der Fehler meist nicht bei dir, sondern in der Struktur. In solchen Fällen hilft es, den Prozess in mehrere Teilprozesse aufzuteilen. In der IT nennt man das „Divide and Conquer“ – teilen und dadurch beherrschbar machen. Genau so kannst du auch im Handwerk vorgehen: lieber mehrere einfache, klar definierte Prozesse als einen riesigen, den niemand überblickt.

Warum sich dieser Aufwand lohnt – gerade im Handwerk


Natürlich kostet es Zeit, abends nicht nur Rechnungen zu prüfen oder Angebote zu schreiben, sondern auch Prozesse zu skizzieren. Am Anfang fühlt sich das oft ungewohnt an. Der Nutzen, der daraus entsteht, ist allerdings enorm.

Je besser deine Abläufe dokumentiert und standardisiert sind, desto weniger hängt alles an dir. Das entlastet dich im Alltag, reduziert Fehler und Chaos und macht deinen Betrieb gleichzeitig für Nachfolger oder Käufer deutlich attraktiver. Denn sie sehen: Hier gibt es Strukturen, hier kann jemand Neues hineinkommen und weitermachen, ohne bei null anzufangen.

Jetzt kostenfrei & anonym der WhatsApp-Gruppe beitreten

Ein systematisierter Betrieb ist nicht nur mehr wert, er ist auch stabiler. Er verkraftet Ausfälle besser, wächst 

kontrollierter und erlaubt es dir irgendwann, aus der Rolle des unersetzlichen Kümmerers mehr in die Rolle des Unternehmers zu wechseln.

Dein nächster Schritt: Der erste Prozess auf Papier


Du musst nicht sofort deinen kompletten Betrieb durchstrukturieren. Es reicht, mit einem einzigen, wichtigen Prozess anzufangen: zum Beispiel der Weg vom ersten Kundenanruf bis zum unterschriebenen Auftrag oder vom Heizungsausfall bis zur erledigten Störung.

Nimm dir ein Blatt Papier, zeichne den Ablauf grob auf und schau, wo Dinge heute nur funktionieren, weil du eingreifst. Genau das sind die Punkte, an denen du ansetzen kannst. Mit jedem dokumentierten und verbesserten Prozess wächst der echte Wert deines Betriebs – unabhängig davon, ob du morgens als Erster in der Firma bist oder nicht.

Am Ende ist ein Handwerksbetrieb dann wirklich wertvoll, wenn er ohne dich als Person funktionieren kann. Und genau daran kannst du ab heute arbeiten – Schritt für Schritt, Prozess für Prozess.

Weitere Videos:

Neu: Digitales Onboarding

  • über 100 Seiten Inhalt
  • 3 exklusive Fallstudien
  • ausführliche Beispiele
  • praxiserprobte Anleitungen
  • Erfahrung aus über 100 Kundenprojekten

Aktuelle Beiträge:

Autor Manuel Epli

Über den Autor Manuel Epli


Manuel Epli studierte an der Universität Ulm die Fächer Mathematik, Informatik, Pädagogik und Psychologie. Er ist Gründer von eLearningPlus, einer Marke der digi professionals GmbH aus Ulm.


Die digi professionals GmbH ist ein TÜV- und AZAV-zertifiziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von zielführenden und hochwertigen E-Learning-Maßnahmen und digitalen Schulungsplattformen spezialisiert hat.


Mit einer 3-stelligen Wachstumsrate pro Jahr, über 25 Mitarbeitern, sowie mehr als 500 betreuten Kunden gehört die digi professionals GmbH zu den führenden E-Learning-Anbietern im gesamten DACH-Raum.

Entdecke mehr Beiträge von uns


Die Gründer im Interview

Social-Recruiting im Haifischbecken

Allgemeine E-Learning-Inhalte vs. digitales Einarbeiten

Digitale Schulungsplattform aufbauen

10 Top-Vorteile für digitales Einarbeiten von Mitarbeitern

In 5 Schritten zu A-Mitarbeitern

Lerninhalte durch KI schnell in eine andere Sprache übersetzen

Diese 3 Fehler kosten dich beim Onboarding jeden Tag viel Geld

Die 9 größten Fehler beim Aufbau einer digitalen Lernplattform 

Was du von der Systemgastronomie lernen kannst

Den Fachkräftemangel durch E-Learning-Methode vermeiden

Für Geschäftsführer: Zeit zurückgewinnen und Unternehmen skalieren


Sie wünschen weitere Informationen

Sie wünschen weitere Informationen

  • Sie möchten wissen, ob ein digitale Ausbildungssystem auch in Ihrer Branche funktioniert?
  • Oder ob sich Ihre Azubis überhaupt digital ausbilden lassen?
  • Vielleicht fragen Sie sich auch, wie Sie überhaupt an geeignete Quereinsteiger kommen.

Antworten auf alle diese Fragen und mehr finden Sie in unserer kostenlosen Informationsbroschüre.

Antworten auf alle diese Fragen und mehr finden Sie in unserer kostenlosen Informationsbroschüre.

eLearningPlus - Informationsbroschüre