Prozesse: Wer ist schuld, wenn der Mitarbeiter „nichts kann“? Du. Und das ist die beste Nachricht, die du heute hören kannst.

Es gibt Sätze, die hört man im Handwerk ständig. So oft, dass sie schon wie Naturgesetze klingen:

  • „Mein Mitarbeiter macht das nicht.“
  • „Meine Azubis sind zu blöd.“
  • „Der kann nur dieses eine Schema – alles andere ist zu komplex.“
  • „Der soll sich den Prozess halt selbst ausdenken, dafür bekommt er Geld.“
  • „Was will der Chef jetzt schon wieder?“

Das sind keine Aussagen über Mitarbeiter. Das sind Offenbarungseide der Führung.

Denn die Frage „Wer ist schuld, wenn der Mitarbeiter nichts kann?“ wird hier nicht weichgespült. Sie wird sauber aufgedröselt. Schritt für Schritt. Und am Ende bleibt eine klare Wahrheit:

Wenn Prozesse nicht funktionieren, liegt es nicht am Betrieb. Es liegt an der Art, wie du Prozesse einführst.

Zwei Gründe, warum neue Prozesse scheitern – und beide liegen bei dir


Die Folge macht es angenehm einfach. Es gibt genau zwei Ursachen, wenn ein neuer Ablauf nicht gelebt wird:

  1. Der Prozess ist schlecht.
  2. Der Prozess wurde schlecht beigebracht.

Mehr gibt’s nicht.

Und jetzt kommt der Teil, den viele Chefs nicht mögen:
Wenn Mitarbeiter sich wehren, ist das nicht automatisch „Widerstand gegen Veränderung“. Oft ist es ein Hinweis auf Problem Nummer 1: Der Prozess ist wirklich Mist.

Das fühlt sich für dich als Chef persönlich an, weil du Energie reingesteckt hast. Aber genau da beginnt Führung: Nicht eingeschnappt sein, sondern prüfen.

Ist der Prozess schlecht? Oder war die Einarbeitung schlecht?

Regel 1: Du führst nichts ein, was du nicht selbst durchgespielt hast


Der grundlegende Fehler passiert immer gleich am Anfang: Ein Chef „führt etwas ein“, das er selbst nur in der Theorie im Kopf hat.

Das geht nicht.

Wenn du einen neuen Prozess einführen willst, gilt eine harte Regel:

Du musst ihn einmal komplett selbst gemacht haben. Von Anfang bis Ende.

Nicht „gedacht“. Nicht „skizziert“. Nicht „so ungefähr“.
Sondern: durchgespielt, erledigt, real erlebt.

Warum?

Weil du erst dann merkst, wo es hakt. Wo es unklar ist. Wo Informationen fehlen. Wo du selbst schon stolperst.

Und wenn du selbst stolperst, wird dein Mitarbeiter erst recht stolpern.

Regel 2: Erst grob dokumentieren, dann sauber – mit W-Fragen


Nach dem Durchspielen kommt die Dokumentation. Nicht als Roman. Nicht als „Prozesshandbuch, das keiner liest“. Sondern erst einmal grob:

  • Schritt 1
  • Schritt 2
  • Schritt 3

Und dann geht’s in die Tiefe mit den Fragen, die jeden Prozess erwachsen machen:

Wer macht was? Wann? Warum? Wie?

Diese W-Fragen sind kein Schulstoff. Das ist das Fundament dafür, dass ein Ablauf unabhängig von dir funktioniert.

Wenn du die nicht beantwortest, entsteht automatisch das, was du im Betrieb wahrscheinlich schon kennst: Mischformen aus Alt und Neu. Jeder macht’s „wie er’s verstanden hat“. Und am Ende hast du Chaos.

Der Punkt, an dem 90 % aller Prozess-Einführungen sterben: Es wird nicht geübt.


Jetzt kommt der Teil, der in der Realität fast nie stattfindet:

Der Chef erklärt den Prozess – und denkt, damit ist es erledigt.

Ist es nicht.

Erklären ist nicht können.
Und schon gar nicht im Stress auf der Baustelle oder im Büroalltag.

Die Folge bringt dafür ein Beispiel, das zuerst komisch klingt – und dann plötzlich logisch wird:

Ein Unternehmer spielt mit der Bürokraft ein Telefonat durch. Er ist der Kunde, sie nimmt an, fragt die Daten ab, arbeitet Schritt für Schritt am neuen Ablauf entlang.

Das ist kein Theater. Das ist Training.

Warum Training so wichtig ist? Weil du Menschen extrem schnell demotivieren kannst – nämlich genau dann, wenn sie aufgrund schlechter Anweisungen Fehler machen und ein negatives Erlebnis haben. Danach sinkt die Motivation. Und du bekommst sie nicht „mit einem Motivationsspruch“ wieder hoch.

Wenn du willst, dass neue Prozesse laufen, dann gilt:

Üben gehört zur Arbeitszeit. Punkt.

Nicht abends auf dem Sofa. Nicht am Wochenende. Nicht „macht euch mal schlau“.
Wenn du Lernzeit in die Freizeit drückst, bekommst du Abwehr – völlig zurecht.

Der stärkste Denkwechsel in dieser Folge: Geh von Null aus.


Viele Chefs überschätzen das Vorwissen ihrer Mitarbeiter. Einfach, weil sie selbst tief drin sind.

Diese Folge dreht das brutal sauber um:

Geh davon aus, dass deine Mitarbeiter nichts können. Null.

Nicht als Beleidigung. Sondern als Methode.

Wenn du von Null aus aufbaust, wirst du nicht enttäuscht. Du erklärst sauber. Du dokumentierst sauber. Du trainierst sauber. Und plötzlich passiert etwas Verrücktes:

Deine Mitarbeiter liefern ab – weil sie wissen, was sie tun sollen.

Und dann kommt noch ein zweiter Punkt, der vielen die Augen öffnet: Berufserfahrung ist nicht der große Heilsbringer. Motivation und richtiges Verhalten in Situationen können deutlich wertvoller sein als „20 Jahre Baustelle“. Denn wer 20 Jahre Mist gemacht hat, macht ihn oft einfach nur routinierter.

Fehler sind kein Ärgernis. Fehler sind dein wertvollstes Trainingsmaterial.


Jetzt wird’s richtig stark: Die Folge erklärt, warum Fehler im Betrieb eigentlich Gold wert sind.

Nicht weil Fehler „cool“ sind. Sondern weil Fehler dir zeigen, was im System fehlt.

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Wenn ein Fehler passiert, ist die Standardreaktion oft: Wer war’s? Wer hat’s verbockt?

Hier ist die bessere Reaktion:

  • Der Fehler ist passiert. (ohne Personentheater)
  • Das war die Ursache.
  • So beheben wir ihn.
  • So verhindern wir ihn künftig.

Das ist transparente Fehlerkultur. Und die hat einen gigantischen Nebeneffekt: Du machst damit dein Onboarding besser, weil neue Mitarbeiter sowieso an ähnlichen Stellen stolpern werden – wenn du es nicht verhinderst.

Wichtig: Niemand braucht ein 100-seitiges Fehlertagebuch. Es geht nicht um Papierberge. Es geht darum, dass Lernen sichtbar wird. Das kann analog passieren (Pinnwand, Mappe) oder digital (kurze Videos, Lernsystem, Wissensdatenbank). Entscheidend ist nicht die Technik. Entscheidend ist: Du machst es.

Die 6 Schritte, die du gehen musst – sonst kommen wieder die alten Chef-Sätze


Am Ende landet die Folge bei einem simplen Zusammenhang:

Wenn du Sätze sagst wie „Mein Mitarbeiter macht das nicht“ oder „Meine Azubis sind zu blöd“, dann hast du davor Schritte ausgelassen.

Die Abfolge ist klar:

  1. Prozess selbst durchspielen
  2. dokumentieren (erst grob, dann sauber)
  3. Vorwissen realistisch bewerten (Start bei Null)
  4. Lernzeit während der Arbeitszeit geben
  5. üben und trainieren
  6. Fehler dokumentieren und fürs Team nutzbar machen

Wenn einer dieser Schritte fehlt, bekommst du keine saubere Umsetzung. Du bekommst Mischprozesse, Chaos, Frust – und am Ende die bekannten Sprüche.

Das unangenehme Fazit – und warum es dich entlastet


Die Folge ist ehrlich: Das kostet Zeit. Ja.

Aber die entscheidende Frage ist nicht, ob es Zeit kostet. Die entscheidende Frage ist:

Wie viel Zeit kostet es dich, wenn du es nicht ordentlich machst?

Denn dann zahlst du immer wieder:

  • in Rückfragen
  • in Fehlern
  • in Nacharbeit
  • in Stress
  • in dem Gefühl, dass du alles selbst machen musst

Ein Tag Training im Monat klingt „teuer“. Aber er ist schnell wieder drin, wenn Prozesse laufen. Und wenn Prozesse laufen, wird der Betrieb ruhiger. Und du wieder handlungsfähig.

Hausaufgabe: Nimm einen Prozess und führe ihn einmal richtig ein


Die Hausaufgabe aus der Folge ist bewusst klein gehalten: Nimm einen konkreten Prozess (als Beispiel wird die Krankmeldung genannt, weil sich da in Deutschland etwas geändert hat) und arbeite ihn so durch, wie es hier beschrieben wurde:

  • erst selbst machen
  • dann grob aufschreiben
  • dann mit W-Fragen sauber machen
  • dann Lernzeit geben
  • dann üben
  • dann typische Fehler festhalten

Wenn du das einmal sauber gemacht hast, wirst du merken: Es geht nicht darum, dass Mitarbeiter „nichts können“. Es geht darum, dass du als Chef ein System baust, in dem Menschen können.

Und genau das ist Führung.

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Autor Manuel Epli

Über den Autor Manuel Epli


Manuel Epli studierte an der Universität Ulm die Fächer Mathematik, Informatik, Pädagogik und Psychologie. Er ist Gründer von eLearningPlus, einer Marke der digi professionals GmbH aus Ulm.


Die digi professionals GmbH ist ein TÜV- und AZAV-zertifiziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von zielführenden und hochwertigen E-Learning-Maßnahmen und digitalen Schulungsplattformen spezialisiert hat.


Mit einer 3-stelligen Wachstumsrate pro Jahr, über 25 Mitarbeitern, sowie mehr als 500 betreuten Kunden gehört die digi professionals GmbH zu den führenden E-Learning-Anbietern im gesamten DACH-Raum.

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