Flipped Classroom im Handwerk: Warum nach der Schulung nicht nur der Schweinebraten hängen bleiben darf

Viele Handwerksbetriebe schicken ihre Mitarbeiter regelmäßig zu Schulungen.

Zur Wärmepumpe.
Zur Badmontage.
Zur Branchensoftware.
Zur Elektrotechnik.
Zu neuen Herstellersystemen.
Oder zu gesetzlichen und technischen Neuerungen.

Das ist grundsätzlich gut.

Aber die entscheidende Frage lautet:

Was bleibt nach der Schulung wirklich hängen?

Wenn Mitarbeiter zurückkommen und auf die Frage „Wie war es?“ nur antworten: „Der Schweinebraten war gut“, dann war die Verpflegung vielleicht gelungen – aber der Lerneffekt fraglich.

Natürlich ist gutes Essen bei einer Schulung angenehm. Aber es darf nicht das wichtigste Ergebnis sein.

Das Ziel einer Schulung ist nicht, dass Mitarbeiter wissen, welcher Hersteller den besten Schweinebraten serviert. Das Ziel ist, dass sie danach besser arbeiten können.

Das Problem klassischer Schulungen


Viele Schulungen im Handwerk laufen immer noch nach dem gleichen Muster ab.

Die Mitarbeiter fahren morgens früh los.
Sie kommen beim Hersteller oder Schulungsanbieter an.
Dann beginnt die Einführung.
Es wird erklärt, worum es geht.
Es gibt Theorie.
Dann Mittagessen.
Danach vielleicht etwas Praxis.
Und am Ende fahren alle wieder zurück.

Das Problem: Ein großer Teil der wertvollen Präsenzzeit wird für Grundlagen genutzt.

Die Teilnehmer hören zu.
Sie nehmen Informationen auf.
Sie sind vielleicht müde von der Anreise.
Sie kennen das Thema noch nicht richtig.
Und wenn es dann endlich praktisch wird, ist oft schon ein Teil der Energie weg.

Gerade Handwerker wollen aber nicht nur zuhören. Sie wollen anwenden, anfassen, ausprobieren und verstehen, warum etwas funktioniert.

Was ist Flipped Classroom?


Flipped Classroom bedeutet vereinfacht: Der klassische Ablauf wird umgedreht.

Die Theorie wird nicht erst vor Ort vermittelt, sondern vorher.

Die Mitarbeiter bereiten sich im Betrieb oder online auf die Schulung vor. Sie bekommen kurze Videos, digitale Inhalte oder eine Online-Einführung. Dadurch wissen sie schon vor dem Präsenztermin, worum es geht.

Die Präsenzzeit wird dann nicht mit Grundlagen verbraucht, sondern für Praxis genutzt.

Also:
Vorher Theorie.
Vor Ort Praxis.
Danach Zusammenfassung und Wissenstransfer.

Das ist besonders im Handwerk sinnvoll, weil Präsenzzeit teuer und wertvoll ist.

Besser vorbereitet zur Schulung


Wenn ein Mitarbeiter unvorbereitet zu einer Schulung fährt, muss er vor Ort erst einmal ins Thema gebracht werden.

Wenn er vorbereitet kommt, ist er sofort anders dabei.

Er weiß schon:

  • welches Thema behandelt wird
  • welche Grundlagen wichtig sind
  • welche Begriffe vorkommen
  • worauf er achten soll
  • welche Fragen er mitbringen möchte
  • welche Praxisübungen geplant sind

Dadurch kann die Schulung viel schneller in die Tiefe gehen.

Statt erst einen halben Tag Theorie zu hören, können die Teilnehmer direkt praktisch arbeiten.

Mehr Fragen, mehr Verständnis


Ein großer Vorteil von Flipped Classroom:

Teilnehmer stellen bessere Fragen.

Warum?

Weil sie sich vorher schon mit dem Thema beschäftigt haben.

Sie kommen nicht komplett leer in die Schulung, sondern haben bereits erste Gedanken, Unsicherheiten und Beispiele aus dem eigenen Alltag im Kopf.

Dadurch entsteht eine andere Qualität.

Es geht nicht mehr nur um:

„Was ist das?“

„Warum wird das so gemacht?“
„Was passiert, wenn dieser Fall eintritt?“
„Wie setzen wir das bei uns im Betrieb um?“
„Worauf muss ich bei dieser Anlage achten?“
„Welche Fehler passieren in der Praxis häufig?“

Das ist echtes Lernen.

Präsenzzeit muss Praxiszeit sein


Wenn Mitarbeiter schon anreisen, dann sollte die Zeit vor Ort maximal sinnvoll genutzt werden.

Gerade bei technischen Schulungen sollte der Schwerpunkt auf Praxis liegen.

Zum Beispiel:

  • Anlagen aufbauen
  • Fehler suchen
  • Bauteile prüfen
  • Montageschritte üben
  • Inbetriebnahme durchführen
  • Messwerte interpretieren
  • typische Fehlerbilder besprechen
  • reale Situationen simulieren

Das sind Dinge, die man nicht so gut nur über ein Video lernen kann.

Theorie kann digital vorbereitet werden. Praxis muss erlebt werden.

Schulungen besser planen


Auch der Ablauf einer Schulung sollte durchdacht sein.

Wenn Teilnehmer mehrere Stunden anreisen müssen, ist ein Start um 8 Uhr morgens oft ungünstig. Dann sitzen manche schon seit 4 oder 5 Uhr im Auto.

Besser kann es sein, mittags zu starten.

Dann ist die Anreise entspannter. Die Teilnehmer kommen wacher an. Und die Praxisphase kann konzentrierter beginnen.

Bei zweitägigen Schulungen kann der erste Tag nach der Anreise intensiv genutzt werden. Am Abend entsteht zusätzlich Austausch untereinander. Am zweiten Tag kann früh gestartet und weiter praktisch gearbeitet werden.

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So wird die Abwesenheit vom Betrieb und von der Familie besser genutzt.

Wissen darf nicht beim einzelnen Mitarbeiter bleiben


Ein weiterer wichtiger Punkt:

Wenn ein Mitarbeiter eine Schulung besucht, darf das Wissen danach nicht nur in seinem Kopf bleiben.

Sonst entsteht Inselwissen.

Der eine Mitarbeiter kann es.
Alle anderen müssen ihn fragen.
Und wenn er nicht da ist, fehlt das Wissen.

Deshalb sollte nach jeder Schulung eine kurze Zusammenfassung entstehen.

Zum Beispiel:

  • Was waren die wichtigsten Inhalte?
  • Welche fünf Punkte sind für unseren Betrieb relevant?
  • Welche Fehler sollen wir künftig vermeiden?
  • Welche Checkliste müssen wir anpassen?
  • Welche Info gehört in unsere Wissens-KI?
  • Was müssen Kollegen auch wissen?

So wird aus einer einzelnen Schulung ein Lerngewinn für den ganzen Betrieb.

Mindmap als einfache Schulungszusammenfassung


Eine einfache Methode ist eine Mindmap.

In die Mitte kommt das Schulungsthema, zum Beispiel:

Wärmepumpenschulung

Darum herum werden die wichtigsten Erkenntnisse gesammelt:

  • Montage
  • Abstände
  • Fehlerquellen
  • Inbetriebnahme
  • Kundenhinweise
  • Dokumentation
  • Material
  • Besonderheiten

Das muss kein perfektes Dokument sein.

Wichtig ist, dass der Mitarbeiter das Gelernte aktiv zusammenfasst. Dadurch verarbeitet er die Inhalte noch einmal. Gleichzeitig entsteht ein Dokument, das der Betrieb weiterverwenden kann.

Wissen in die Wissens-KI übertragen


Besonders wertvoll wird die Zusammenfassung, wenn sie anschließend in das interne Wissenssystem übertragen wird.

Zum Beispiel in eine Wissens-KI.

Dann können auch andere Mitarbeiter später Fragen stellen:

„Worauf muss ich bei dieser Wärmepumpe achten?“
„Welche Abstände gelten?“
„Was waren die wichtigsten Punkte aus der Schulung?“
„Welche Fehler sollen wir vermeiden?“

So bleibt die Schulung nicht einmalig.

Sie wird Teil des Firmenwissens.

Fazit: Schulungen müssen mehr bringen als gutes Essen


Schulungen im Handwerk sind wichtig. Aber sie müssen so aufgebaut sein, dass wirklich Wissen hängen bleibt.

Wenn Mitarbeiter unvorbereitet in eine Schulung gehen, viel Theorie hören und am Ende vor allem über das Mittagessen sprechen, wurde Potenzial verschenkt.

Flipped Classroom dreht den Ablauf um.

Die Theorie kommt vorher.
Die Präsenzzeit wird für Praxis genutzt.
Die Zusammenfassung sichert das Wissen für den Betrieb.

So werden Schulungen effizienter, praxisnäher und nachhaltiger.

Der Schweinebraten darf gut sein.

Aber das wichtigste Ergebnis sollte sein, dass Mitarbeiter danach besser arbeiten können.

Genau so entstehen kurze Prozesse im Handwerk.

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Autor Manuel Epli

Über den Autor Manuel Epli


Manuel Epli studierte an der Universität Ulm die Fächer Mathematik, Informatik, Pädagogik und Psychologie. Er ist Gründer von eLearningPlus, einer Marke der digi professionals GmbH aus Ulm.


Die digi professionals GmbH ist ein TÜV- und AZAV-zertifiziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von zielführenden und hochwertigen E-Learning-Maßnahmen und digitalen Schulungsplattformen spezialisiert hat.


Mit einer 3-stelligen Wachstumsrate pro Jahr, über 25 Mitarbeitern, sowie mehr als 500 betreuten Kunden gehört die digi professionals GmbH zu den führenden E-Learning-Anbietern im gesamten DACH-Raum.

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