Herstellerwechsel im Handwerk: Warum Betriebe nicht einfach ein Produkt austauschen

Warum wechselt ein Handwerksbetrieb eigentlich den Hersteller?

Die einfache Antwort wäre:

Weil ein anderes Produkt besser ist.

Aber ganz so einfach ist es nicht.

In der Praxis liegt die Schwelle für einen Herstellerwechsel extrem hoch. Handwerksbetriebe sind oft sehr treu. Nicht unbedingt nur dem einzelnen Produkt, sondern dem Hersteller, dem Service, den bekannten Abläufen und den eingespielten Prozessen.

Ein Wechsel bedeutet immer Aufwand.

Neue Produkte müssen verstanden werden.
Mitarbeiter müssen geschult werden.
Artikelnummern ändern sich.
Montageprozesse ändern sich.
Der Kundendienst muss sich umstellen.
Die Kalkulation muss angepasst werden.
Und der Betrieb muss dem neuen Anbieter erst einmal vertrauen.

Deshalb wechseln Betriebe nicht aus einer Laune heraus.

Ein Herstellerwechsel beginnt fast immer mit wachsender Unzufriedenheit.

Treue entsteht durch funktionierende Prozesse


Wenn ein Handwerker mit einem Hersteller zufrieden ist, gibt es wenig Grund zu wechseln.

Das Produkt funktioniert.
Der Service ist erreichbar.
Ersatzteile kommen schnell.
Reklamationen werden gelöst.
Die Monteure kennen das System.
Der Einkauf kennt die Abläufe.
Der Chef weiß, worauf er sich verlassen kann.

Selbst wenn es mal ein Problem mit einem Produkt gibt, ist das nicht automatisch ein Wechselgrund.

Fehler passieren.

Entscheidend ist, wie der Hersteller damit umgeht.

Wenn der Service schnell reagiert, Ersatzteile liefert und den Betrieb nicht im Regen stehen lässt, bleibt das Vertrauen bestehen.

Unzufriedenheit baut sich langsam auf


Ein Herstellerwechsel entsteht selten durch ein einziges Ereignis.

Meist sammelt sich über Zeit Frust an.

Die Hotline ist schlecht erreichbar.
Ersatzteile dauern zu lange.
Ein Produkt hat wiederholt Störungen.
Reklamationen werden schleppend bearbeitet.
Mitarbeiter beschweren sich über Montage oder Service.
Der Außendienst reagiert nicht.
Die Unterstützung im Verkaufsprozess fehlt.
Der Betrieb fühlt sich nicht ernst genommen.

Dann ist der Betrieb offen für Alternativen.

Und genau an diesem Punkt kann ein anderer Hersteller ins Spiel kommen.

Menschen kaufen bei Menschen


Trotz aller Technik gilt im Handwerk weiterhin:

Menschen kaufen bei Menschen.

Das gilt nicht nur für Endkunden. Das gilt auch zwischen Hersteller und Handwerksbetrieb.

Ein neuer Hersteller kann ein gutes Produkt haben. Aber wenn der Kontakt nicht passt, wird es schwer.

Der Betrieb muss Vertrauen fassen.

Zum Außendienst.
Zum technischen Support.
Zum Schulungsteam.
Zum Service.
Zum gesamten System dahinter.

Ein gutes Produkt allein reicht nicht.

Der Hersteller muss zeigen, dass er den Betrieb versteht und dessen Alltag leichter macht.

Der erste Testballon entscheidet


Ein Wechsel beginnt oft nicht sofort komplett.

Viele Betriebe starten mit einem Test.

Ein Produkt.
Ein Projekt.
Eine Anlage.
Ein Auftrag.
Ein einzelner Bereich.

Dieser Testballon ist entscheidend.

Wenn dabei direkt etwas schiefgeht, wird es schwierig.

Kommt das Produkt zu spät?
Fehlt Zubehör?
Passt etwas nicht?
Ist der Service nicht erreichbar?
Gibt es keine schnelle Lösung?

Dann ist das Vertrauen schnell wieder weg.

Gerade beim ersten gemeinsamen Projekt darf möglichst wenig schiefgehen. Und wenn doch etwas passiert, muss der neue Hersteller zeigen, dass er zuverlässig reagiert.

Wechsel bedeutet Schulung


Ein Herstellerwechsel betrifft nicht nur den Chef.

Die Mitarbeiter müssen mitziehen.

Monteure, Kundendiensttechniker, Büro, Einkauf und Verkauf müssen verstehen, was sich ändert.

Welche Produkte werden künftig eingesetzt?
Wie werden sie montiert?
Welche Besonderheiten gibt es?
Welche Artikelnummern sind wichtig?
Wie läuft die Ersatzteilversorgung?
Wie funktioniert der technische Support?
Welche Argumente nutzt der Verkauf?

Ohne Schulung wird der Wechsel zum Risiko.

Denn wenn die Mitarbeiter das neue System nicht akzeptieren oder nicht sicher beherrschen, entstehen Fehler, Frust und Widerstand.

Das Beiboot-Prinzip


Viele Betriebe wechseln nicht sofort komplett, sondern fahren zunächst zweigleisig.

Der bisherige Hersteller bleibt gesetzt. Gleichzeitig wird ein neuer Anbieter als Ergänzung getestet.

Dieses „Beiboot“ kann klein starten.

Ein zweiter Wärmepumpenhersteller.
Ein alternatives Armaturensystem.
Ein zusätzlicher Softwareanbieter.
Ein neuer Dienstleister für bestimmte Projekte.

Wenn das Beiboot gute Arbeit macht, wird es mit der Zeit größer.

Der Betrieb merkt:

Der Service funktioniert.
Die Mitarbeiter kommen zurecht.
Die Kunden sind zufrieden.
Die Prozesse laufen einfacher.
Die Reaktionszeiten sind besser.

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So beginnt ein Wechsel oft schleichend.

Nicht mit einem großen Bruch, sondern mit einer Alternative, die immer relevanter wird.

Hersteller müssen Prozesse erleichtern


Für Hersteller ist daraus eine wichtige Lehre ableitbar:

Es reicht nicht, nur ein gutes Produkt zu bauen.

Hersteller müssen Handwerksbetriebe im Alltag unterstützen.

Zum Beispiel durch:

  • schnelle Erreichbarkeit
  • gute technische Beratung
  • einfache Reklamationsprozesse
  • Schulungen
  • digitale Unterlagen
  • Planungsservice
  • Unterstützung im Verkauf
  • Marketinghilfen
  • Leadgewinnung
  • klare Ansprechpartner
  • gute Ersatzteilversorgung

Je mehr der Hersteller die Prozesse des Handwerksbetriebs erleichtert, desto stärker wird die Bindung.

Service wird zum echten Wettbewerbsvorteil


Technisch holen viele Produkte irgendwann auf.

Ein Hersteller ist eine Zeit lang vorne, dann ziehen andere nach. Das ist normal.

Der Unterschied entsteht deshalb immer stärker im Service.

Wie schnell bekomme ich Hilfe?
Wie einfach ist die Abwicklung?
Wie gut wird mein Team geschult?
Wie gut kann ich das System verkaufen?
Wie schnell bekomme ich Antworten?
Wie stark unterstützt mich der Hersteller im Alltag?

Wer hier besser ist, hat einen echten Vorteil.

Denn ein Handwerksbetrieb sucht nicht nur ein Produkt.

Er sucht einen Partner, der seine Prozesse einfacher macht.

Fazit: Ein Wechsel beginnt mit Unzufriedenheit


Handwerksbetriebe wechseln Hersteller nicht leichtfertig.

Sie wechseln, wenn die Unzufriedenheit wächst und gleichzeitig eine bessere Alternative sichtbar wird.

Das Produkt ist dabei nur ein Teil der Entscheidung.

Mindestens genauso wichtig sind Service, Vertrauen, Schulung, Reaktionszeit, Prozessunterstützung und die Akzeptanz der Mitarbeiter.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das:

Ein Herstellerwechsel sollte bewusst getestet und sauber begleitet werden.

Für Hersteller bedeutet es:

Wer Betriebe gewinnen will, muss mehr liefern als ein gutes Produkt. Er muss den Alltag des Handwerkers verstehen und einfacher machen.

Denn am Ende gewinnt nicht immer der Hersteller mit dem schönsten Produkt.

Oft gewinnt der, der dem Betrieb die besten Prozesse ermöglicht.

Genau so entstehen kurze Prozesse im Handwerk.

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Autor Manuel Epli

Über den Autor Manuel Epli


Manuel Epli studierte an der Universität Ulm die Fächer Mathematik, Informatik, Pädagogik und Psychologie. Er ist Gründer von eLearningPlus, einer Marke der digi professionals GmbH aus Ulm.


Die digi professionals GmbH ist ein TÜV- und AZAV-zertifiziertes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von zielführenden und hochwertigen E-Learning-Maßnahmen und digitalen Schulungsplattformen spezialisiert hat.


Mit einer 3-stelligen Wachstumsrate pro Jahr, über 25 Mitarbeitern, sowie mehr als 500 betreuten Kunden gehört die digi professionals GmbH zu den führenden E-Learning-Anbietern im gesamten DACH-Raum.

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